Herr Puntila und sein Knecht Matti

Der Gutsherr Puntila hat zwei Gesichter. Nüchtern ist er ein Ausbeuter und Kapitalist, der seine Angestellten schlecht behandelt und seine Ländereien mit harter Hand und

ökonomischer Kälte regiert. Ist er betrunken wird er plötzlich zum empathischen,

geselligen Menschenfreund, der seine Tochter mit seinem Knecht Matti verheiraten

möchte und es bereut diese bereits mit dem Aristokraten Attache verlobt zu haben. Sein unentbehrlicher Chauffeur Matti ist für Puntila, je nach Zustand, Prügelknabe oder Beichtvater und Gewissen. Matti ist zwar der Einzige, der keine Angst vor den zwei Seiten seines Dienstherrn hat, jedoch erkennt er dennoch die unüberwindbare Kluft der Klassenzugehörigkeit zwischen den zwei Welten, die sie im nüchternen Zustand nicht überwinden können. Als schließlich Matti doch zum Schwiegersohn bestimmt werden soll, muss sich die Tochter in einer grotesken Szenerie einem Examen unterziehen, in der es zu einer endgültigen Konklusion kommt.

 

Das um 1940 entstandene Volksstück zeigt nach Brechts Notizen zufolge die

Ausformung des Klassenantagonismus zwischen Puntila und Matti und macht darüber hinaus die Verlogenheit und Gefährlichkeit der bestehenden Herrschaftsverhältnisse deutlich. Im Kapitalismus sei der Mensch gezwungen seine gute Natur zu leugnen. Dem Wesen Puntilas ist eine Schizophrenie, ein ambivalentes Dasein inne. Diese Ambivalenz zwischen Vernunft und Hedonismus, der Spaltung zwischen Arm und Reich, die Undurchsichtigkeit der Herrschaftsverhältnisse erfährt auch heute noch große Aktualität. Das Stück stellt Fragen nach der Überwindbarkeit der Schranken der Klassengesellschaft, nach Authentizität im Handeln eines "guten" Menschen und der Frage Gutmenschlichkeit in ausbeuterischen Systemen.

Regie: Pia Epping

Cast: 

Puntila: Alicia Bischof
Matti: Ioannis Germanidis
Eva: Jennifer Trippel

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